Ausstellung 2008

Die diesjährige Ausstellung greift die Trennungswirren auf. Wieder lohnt es sich, dem Museum einen Besuch abzustatten und zu sehen, was Rémy Suter zu diesem Thema alles gefunden hat. z.B. eine Generalsmütze mit folgender Inschrift:

Das Kappenzier General Busers, Reigoldswil 1833

Diese Kriegstrophäe sei dem Wirt und Weinhändler Johann Jakob Buser bei einem „Kriegszug“ nach dem baseltreuen Reigoldswil bei seiner Gefangennahme abgenommen worden. Historisch lässt sich dies nicht belegen, auch kann die Jahrzahl 1833 nicht stimmen, da die „Reigoldswilerwirren“ 1831 stattfanden. Die Geschichte ist interessant aber fragwürdig. Beim Objekt handelt es sich um ein witziges Unikum.

Rémy Suter hat interessante, skurille und überraschende Texte zu den Wirren gefunden, wie auch diese zwei Beispiele zeigen:

Friedenstruppen erleben das Baselbiet

Der Waadtländer Wachtmeister Urbain Olivier, Mitglied der Eidgenössischen Truppen 1831, schreibt an einen Freund:

Von den Baselbietern.

Itingen, 25.Sept. 1831

Dieses Volk ist gleichgültig, schmutzig, starrköpfig, ungebildet. Es will in alles hineinregieren, hat tyrannische Allüren und führt doch immer das Wort Freiheit im Munde. Es sind keine Waadtländer. Der roheste Waadtländer Bergbauer ist manierlicher als der Basler im Tal Liestal. Und erst die Weiber, die reinsten Teufelinnen in ihren kurzen Röcken und mit ihren grauen Wuschelköpfen. Es scheint, dass wir jeden Fussbreit Land besetzen müssen, schon zwei Drittel aller Dörfer haben wir durchzogen. Überall lassen sie die Waadtländer und die Freiheit hochleben. Aber wir antworten nicht und fahren gut so.

Von der Baselbieterküche

Itingen, 1.Okt. 1831

Diese armen Basler können keine guten Suppen oder Getränke zubereiten. Wo ist meine liebe Mutter? Ich hätte nun einmal gerne eine recht heisse Tasse Eibisch- oder Wollblumtee. Hier gibt’s nichts dergleichen! Branntwein, Kohl, Speck, Kartoffeln und die ewigen Schnitz(„et les éternels Schnitz“), das ist die ganze Kochkunst unserer Gastgeber.

Nun aber mal der Reihe nach, hier eine kurze Übersicht über die Ereignisse der Baselbieter Wirren:

Chronologie der Ereignisse

1829: Der Vorschlag einer Verfassungsrevision wird im Grossen Rat eingebracht, wird aber hinausgeschoben.

1830: 18. Oktober: Im Bad Bubendorf legt Stephan Gutzwiller, selbst Mitglied des Grossen Rates, den dort versammelten ca. 40 Männern eine Bittschrift vor, welche den Wunsch nach einer neuen Verfassung enthält. 707 weitere Baselbieter stossen später dazu. Indem Gutzwiller den Freiheitsbrief von 1798 verliest versetzt er die Versammlung in die richtige Stimmung. Die Bittschrift wurde dem Basler Bürgermeister Wieland überreicht. Dieses Vorgehen wird weitherum akzeptiert, auch in der Stadt, da nichts Revolutionäres darin enthalten ist. Forderungen der Landschaft dringen beim Grossen Rat nicht durch. Gutzwiller und seine Leute versuchen ihre Ziele durch eine grossangelegte Versammlung, Landsgemeinde in Liestal, zu stärken.

1831 6. Januar: Im Wirtshaus Engel in Liestal wird eine provisorische Regierung gewählt. Durch dieses revolutionäre, ungesetzliche Handeln spitzt sich die Lage zu. Allschwil, Binningen und dann Liestal werden von städtischen Truppen eingenommen. Die Aufständischen haben sich aber bereits nach Sissach und dann Aarau abgesetzt. Einziges Resultat der Aktion war eine Polarisierung in zwei Lager: Stadttreue Posamenterdörfer – Aufrührerischer Rest Die Idee der Loslösung taucht nun verstärkt auf. Die Arbeit an der neuen Verfassung wird vorangetrieben. Im Februar wird diese von der Mehrheit der Stadtbürger und auch von der Mehrheit der der Landbürger und Gemeinden angenommen. Trotz des Resultats versucht die provisorische Regierung die Dörfer auf ihre Seite zu bringen. Aufständische ziehen in Liestal ein und „befreien“ die Landschaft vom Gehorsam gegenüber der Stadt. Erneute Besetzung von Liestal, der Freiheitsbaum wird umgehauen. Die Tagsatzung lässt die Basler Landschaft durch eidgenössisches Militär okkupieren. Vier Revolutions- führer werden unter Hausarrest gestellt und später nach Bremgarten verfrachtet. 16. September: Marsch der Aufständischen gegen Reigoldswil unter „General“ Buser. Im November erneute Abstimmung: 3865 für, 802 gegen Verfassung

1832 Die Stadt entzieht den 46 Gemeinden ohne Mehrheit in der November-Abstimmung die Verwaltung. Faktisch sind diese nun vom Kantonsverband ausgeschlossen. Nur vier davon stimmten aber für die Trennung, die restlichen 42 erreichten durch ein propagiertes Boykott keine Mehrheit. Bei der Tagsatzung protestierten darauf 48 Gemeinden und später teilten sich bereits 55 zur Wahl eines Verfassungsrates in Wahlkreise ein. Die Teiltrennung des Standes Basel war erreicht! Die Stadt Basel verhält sich immer konservativer. In der Tagsatzung erreichen die liberalen Kantone die Mehrheit, sodass die eigene Baselbieter Verfassung anerkannt wird. Aus Missbilligung schliesst sich Basel dem konservativen Sarnerbund an. Mit Uri, Schwyz, Unterwalden, Wallis, Neuenburg und eben Basel spricht sich dieser gegen jede Reform und Änderung des eidgenössischen Bündnisses aus. Durch vermehrte Übergriffe der Baselbieter Truppen, welche eher Freischarenzügen gleichen, senden die stadttreuen Dörfer Hilferufe an Basel. Diese hat bei der Partialtrennung Hilfe versprochen, ist nun aber nicht mehr in der Lage solche zu leisten.

1833 3. August: Der Auszug der Standestruppen „Stänzler“ wird bei der Hülftenschanze durch die Landschäftler unterbunden. Zwischen Pratteln und Frenkendorf werden die Baslerischen Truppen militärisch geschlagen. Ein grosser Teil der Baselbieter jubelt, der stadttreue Teil beeilt sich dem neuen Kanton eine gnädige Behandlung abzubitten oder jetzt doch noch beizutreten. Nur Gelterkinden und Reigoldswil zögern noch, sehen sich zum Schluss aber gezwungen mitzumachen. 26. August: Die Tagsatzung besiegelt die Totaltrennung und damit die Schaffung des neuen Kantons Basel-Landschaft.

Hohwacht Lauwil und Stänzler

Die verschiedenen Hohwachten im Baselbiet gehörten zu einem Alarmsystem das im 17. und 18. Jahrhundert den Stand Basel mit dem Mittelland und somit der Eidgenossenschaft verband. Sie bestanden in der Regel aus einem steinernen Wachthäuschen, einer Holzpyramide „zum Allarm Feür“ und einem Mörser für Warnböller.

Zur Zeit der Trennungswirren wurde diese Idee wieder aufgenommen, um den isolierten stadttreuen Gemeinden rasche Hilfe zu bringen. Auf dem Höhenzug vor dem Vogelberg liess Basel bereits 1832 ein mit starker Wache versehenes Signal errichten. Im Frühjahr 1833 wurde der Holzstoss nach Protesten der Gegenpartei vorübergehend entfernt, der Posten blieb jedoch bestehen. Das Leben der Wachposten aus Angehörigen der Basler Standestruppen, zuhause „Stänzler“ genannt, war sicher meist todlangweilig. Also mussten sie auch für Zeitvertreib sorgen. In einer Urkunde von 1833 wird auf jeden Fall auch eine Kegelbahn erwähnt. Die hier gezeigten Würfel mit Knobelbecher, Schnapskrug und Tonpfeife gehörten wohl zur Standardausrüstung.

 

Signalhorn
In der Nacht vom 1. auf den 2. August 1833 wurden nach Schüssen zwischen Thürnen und Diepflingen die Alarmfeuer ob Rünenberg, ob Gelterkinden und auf dem Vogelberg(= Hohwacht Lauwil) angezündet. Wegen Nebels wurde aber das Lauwiler Feuer, welches der Verbindung zur Stadt diente, vom Münsterturmwächter nicht bemerkt. Am Morgen des 2. Augusts liessen die städtischen Offiziere die Höhen um Reigoldswil besetzen. Als gegen 10 Uhr die landschaflich gesinnten Tschoppenhöfer, verstärkt durch Bennwiler, Waldenburger und Langenbrücker, an die Grenze gezogen waren, fielen die ersten Schüsse. Die Kommissarien schrieben später, dass keine Partei zuerst geschossen haben wollte … Das erste Opfer aber war ein städtisch Gesinnter. Am Abend fiel ein Reigoldswiler namens Stohler durch einen Schuss. Nachdem durch Kuriere nochmals nach Hilfe gerufen worden war, herrschte im Fünflibertal gespannte Ruhe, auch während der Katastrophe bei der Hülftenschanze.

 

 

Zwei Landschäftler wehren sich.
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